Pressemitteilungen
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Institutsteil Entwurfsautomatisierung EAS
Durchbruch für die virtuelle Fahrzeugentwicklung
Pressemitteilung 25.1.2012
Die Automobilbranche nutzt schon seit langem Simulationen, um zuverlässige Komponenten für Fahrzeuge zu entwerfen. Die Entwickler haben aber das Problem, dass sie Computermodelle für einzelne Bauteile nur schwer miteinander verbinden können. Eine Baugruppe oder gar ein komplettes Fahrzeug zu simulieren ist bislang nur mit großem Zeit- und Kostenaufwand möglich. Einem europäischen Forschungsteam ist es nun gelungen, diese Hürde zu überwinden.
Auf dem Automobilmarkt gibt es heute unzählige Simulationsprogramme, die speziell für einzelne Komponenten entwickelt wurden. Schon beim Entwurf einer automatischen Heckklappe wird das zum Problem. Die verschiedenen Teilezulieferer arbeiten meist mit unterschiedlichen und oft nicht kompatiblen Simulatoren. Deshalb muss zur Simulation aller Heckklappenfunktionen entweder eine Speziallösung zum Einsatz kommen oder die Komponenten können vor dem Bau nicht komplett gemeinsam an einem Modell geprüft werden.
„Wir haben uns deshalb in den letzten dreieinhalb Jahren zum Ziel gesetzt, das Kompatibilitätsproblem in der Automobilsimulation zu lösen“, so Dr. Christoph Clauß, Projektverantwortlicher beim Dresdner Institutsteil EAS des Fraunhofer IIS. „Dabei haben wir mit unseren Partnern Schnittstellen, die sogenannten Functional Mock-up Interfaces oder kurz FMI entwickelt, die schon als bahnbrechend für die Branche zu bezeichnen sind.“ Da sie als offener Standard angelegt sind, werden die FMI zukünftig den Austausch von Modellen aus verschiedenen Simulatoren ermöglichen. Diese Bauteilmodelle können dann zusammengefügt und das Zusammenspiel von Fahrzeugteilen virtuell nachgebildet werden – deutlich schneller und genauer als bisher. Daneben hat das Fraunhofer IIS/EAS auch an Verfahren und Algorithmen für Schnittstellen mitgearbeitet, mit denen Simulatoren gekoppelt werden können.
All das ermöglicht Entwicklern aus verschiedenen Arbeitsgebieten nun ein gemeinschaftliches Entwerfen, Simulieren und auch Optimieren. Besonders das zeitgleiche Design von Systemen und Software, das bislang ebenfalls an verschiedenen Standards scheiterte, ist für die Branche eine große Hilfe. „Jetzt schon haben etwa 30 Hersteller von Simulatoren aus ganz Europa angekündigt, zukünftig die FMI zu unterstützen. Das gleiche gilt für Daimler, Volkswagen oder Volvo, die neben anderen Projektpartnern den FMI-Standard für die Praxis erprobt haben“, ergänzt Clauß.
Die FMI und die Ergebnisse zur Simulatorenkopplung sind Forschungsergebnisse des europäischen Verbundprojektes „MODELISAR“. Insgesamt 29 Partner aus Wissenschaft, Automobil- und Softwareindustrie aus fünf Ländern hatten sich hierfür seit Juli 2008 zusammengeschlossen. Die Leitung hatten das französische Softwarehaus Dassault Systèmes und für Deutschland die Daimler AG inne. Hier wurde MODELISAR im Rahmen des Europäischen Programms ITEA2 (Information Technology for European Advancement) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.


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